FAQ

Wer braucht eine Vormundschaft?

Ein Kind oder ein Jugendlicher (ab 14 Jahren) dessen Eltern verstorben sind oder sich aus den unterschiedlichsten Gründen nicht um es/ihn kümmern können, z.B. weil sie krank, behindert oder nicht in Deutschland sind.

Was ist eine Vereinsvormundschaft?

Bei einer Vereinsvormundschaft wird der Verein zum Vormund bestellt. Er hat geeignete Mitarbeiter, (idR sind es Sozialpädagogen) welche er in ihrer Amtsführung unterstützt, sie gegen Schäden versichert, sie fortbildet und dafür Sorge trägt, dass die Mitarbeiter im Urlaub oder bei Krankheit vertreten werden können.

Wie kommen die Mündel zu uns?

In den allermeisten Fällen schlägt das Jugendamt München uns dem Familiengericht vor.
Wir werden aber auch vom Allgemeinen Sozialdienst bei den Sozialbürgerhäusern oder von Sozialdiensten in Gemeinschaftsunterkünften zur Übernahme einer Vormundschaft oder Pflegschaft angefragt.

Sehr oft möchten unsere Mündel, dass wir die Vormundschaft für ihre Geschwister oder gar für ihre eigenen Kinder übernehmen, weil sie uns vertrauen und sich bei uns gut aufgehoben fühlen.

Was tut ein Vormund?

Ein Vormund ist der Erziehungsberechtigte eines Kindes oder eines Jugendlichen ohne Elternteil zu sein.
Das Mündel wohnt aber nicht beim Vereinsvormund und wird nicht von diesem erzogen: es wohnt in Einrichtungen der Jugendhilfe, in Pflegefamilien oder auch in Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge, wenn es mit Verwandten in Deutschland eingereist ist.

Der Vormund ist verantwortlich für die gesamte Personen- und Vermögenssorge des Mündels. Dies bedeutet ganz konkret, dass der Vormund den Lebensunterhalt seines Mündels sichert, in dem er die erforderlichen Anträge bei den zuständigen Stellen stellt, dass er das Geld des Mündels verwaltet, dass er sich um die schulischen und medizinischen Belange seines Mündels kümmert aber auch um seine Freizeitgestaltung. Der Vormund bezieht das Mündel entsprechend seines Reifegrades in alle Entscheidungen ein und wacht darüber, dass das Mündel zu einem eigenständigen und verantwortungsvollen Mitglied unserer Gesellschaft heranwächst.

Wie geht die Zusammenarbeit mit dem Mündel und seinem Umfeld?

Gerade dann, wenn das Mündel aus einem schwierigen familiären oder sozialen Umfeld stammt ist es eine besondere Herausforderung für unsere Mitarbeiter, dieses Umfeld in ihre Arbeit miteinzubeziehen. Auch die Gratwanderung zwischen den Kulturen unserer geflüchteten Mündel einerseits und unserer Kultur andererseits erfordert viel Wissen, Erfahrung und Empathie für die Situation der Mündel bei gleichzeitiger Vermittlung unserer Werte.

Die unterschiedlichsten Akteure entscheiden mit über das Wohl und Wehe unserer Mündel: das Familiengericht, das Jugendamt, verschiedene Behörden, Heime, Pflegefamilien, Dolmetscher, Ärzte, Therapeuten, Anwälte, Lehrer, Ausbilder u.v.a. Diese Akteure zu organisieren, zu koordinieren und mit ihnen dauerhaft in Verbindung zu bleiben und dabei die Interessen unserer Mündel bestmöglichst durchzusetzen ist eine sehr abwechslungsreiche und spannende, manchmal aber auch eine sehr anstrengende und kräftezehrende Aufgabe.

Was ist eine Pflegschaft?

Bei einer Pflegschaft werden lediglich einzelne Wirkungskreise der Sorge für das Mündel auf den Pfleger übertragen. Die elterliche Sorge bleibt im Übrigen bestehen.

Wie kontrolliert das Familiengericht den Vormund oder Pfleger?

Der Vormund berichtet regelmäßig an das Familiengericht über den Aufenthaltsort des Mündels, seinen Gesundheitszustand, wer sich konkret um die Erziehung des Mündels kümmert, wie sich das Mündel verhält und ob es Erziehungsschwierigkeiten gibt, welche Schule das Mündel besucht und wie seine Lehrer es beurteilen, wie seine schulischen Leistungen sind, ob es eine Lehre absolviert und welcher Vertrag hierzu abgeschlossen wurde, ob es Unterhalt erhält, über welche eigenen Einnahmen es verfügt, ob es über Vermögen verfügt und wie dies vom Vormund verwaltet wird, wie oft der Vormund das Mündel besucht und insbesondere welche genauen Aktivitäten der Vormund für sein Mündel entfaltet. Diese Berichte nimmt das Familiengericht zum Anlass beim Vormund nachzufragen, falls Unstimmigkeiten oder Fragen auftauchen sollten.

Ansonsten unterstützt das Familiengericht in Gestalt des Richters oder des Rechtspflegers den Vormund sehr oft in akuten Krisensituationen, in dem gemeinsam besprochen werden kann, wie weiter vorzugehen ist., z.B. wenn ein Mündel vermisst ist oder es erforderlich werden sollte, das Mündel wegen dessen Suizidgedanken geschlossen unterzubringen.

Wann endet die Vormundschaft/Pflegschaft?

Die Vormundschaft oder Pflegschaft endet mit dem Eintritt der Volljährigkeit des Mündels.
Sie kann aber auch vorher enden, weil z.B. ein Elternteil seine Suchtproblematik überwunden hat und das Sorgerecht zurück erhält oder wenn – bei umAs – die Eltern in Deutschland einreisen.

Eine Pflegschaft – z.B. zur Abwicklung einer Nachlassangelegenheit – endet, wenn das Verfahren abgeschlossen ist.

Wie hilft der Vormund in ausländerrechtlichen Angelegenheiten?

Unsere Mitarbeiter eruieren mittels geeigneter Dolmetscher die persönliche Fluchtgeschichte unseres Mündels und entscheiden dann über das Vorgehen, das in der Situation unseres Mündels den besten Erfolg verspricht. Die Mündel werden auf die Anhörungen beim BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) vorbereitet. Unsere Vormünder begleiten ihre Mündel in dem gesamten ausländerrechtlichen Verfahren und unterstützen sie – auch moralisch. Denn viele Mündel sind durch die Flucht traumatisiert so dass es ihnen sehr schwer fällt, darüber zu sprechen, weil dann das ganze erlebte Leid wieder präsent wird. Die Vormünder erzielen Anerkennungsquoten, die – verglichen mit den allgemeinen Anerkennungsquoten – überdurchschnittlich hoch sind, was ihre hohe Fachlichkeit und ihr Engagement eindrucksvoll beweist.

Was ist das Besondere beim Katholischen Jugendsozialwerk München e.V.?

Wir haben uns im Jahre 1885 als eine der ersten Organisationen in München (Geschichte des KJSW) um junge Menschen gekümmert, die vom Lande nach München gezogen sind, um hier eine Ausbildung zu machen oder zu arbeiten und in unwürdigen Verhältnissen davon bedroht waren, den Halt zu verlieren oder zu verwahrlosen.

In der Tradition unseres Gründers, des Paters Monsignore Nepomuk Werner – welcher seinerseits mit dem Salesianer Don Bosco persönlich im Austausch war – sehen wir uns als Vormundschaftsverein mit Spezialisierung auf umA und Migrantenkinder als einen wichtigen sozialanwaltschaftlichen Interessensvertreter und Akteur für unserer minderjährigen Klienten und Klientinnen.

Haben Sie weitere Fragen, senden Sie uns bitte eine Email unter info-vormundschaften@kjsw.de